Das Social Entrepreneur Startup Tremaze aus Dortmund im Interview

Hallo Sven, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Tremaze kurz vor:

Hi, mein Name ist Sven Baumgart, ich bin Geschäftsführer und Mitgründer von Tremaze. Im Kernteam werde ich von meinen beiden Mitgründern Lennart Tönjes und Jannick Gröpper begleitet und durch unsere beiden Mitarbeitenden Lea und Niklas ergänzt.

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startups, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Tremaze hat sich der Digitalisierung der sozialen Arbeit in Deutschland verschrieben. Mit unseren beiden wichtigsten Lösungen „Tremaze“ und „TAGEA“ verhelfen wir sozialen Einrichtungen mit Websites und Apps als Software as a Service zur zeitgemäßen, bezahlbaren und zielgruppengerechten Außendarstellung und Kommunikation. Dabei greifen wir tief in alltägliche administrative Prozesse der Einrichtungen ein, um diese digital zu unterstützen und den Mitarbeitenden nicht „noch eine Software“ aufzuhalsen, sondern endlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtige Arbeit am Menschen freizuräumen.

Die Tremaze UG wurde im November 2017 offiziell gegründet, hat das AndersGründer-Programm des Duisburger Social Impact Labs durchlaufen und hat den Markteintritt erfolgreich überstanden und beginnt nun die Skalierung.

Welches Problem wollt Ihr mit Tremaze lösen ?

Soziale Einrichtungen müssen digitalisieren, um einerseits den Kontakt zu ihren Klient*innen aufrecht zu erhalten, gleichzeitig aber auch die eigenen administrativen Prozesse zu vereinfachen und dem Datenschutz besser gerecht zu werden.

Da sich viele der Träger und Einrichtungen weder finanziell, noch personell in der Lage sehen, aufwendige individuelle IT-Projekte durchzuführen und sich selbst auf den Weg in die digitale Zukunft zu machen, musste eine skalierbare Plattform geschaffen werden, die die einzelne Einrichtung möglichst wenig kostet, keinerlei IT-Kenntnisse voraussetzt und mit der vorhandenen Infrastruktur ohne Umwege den Zugang zur digitalen Welt der Sozialarbeit eröffnet.

Mit Tremaze setzen wir genau dort an, statten die Einrichtungen mit mobilen Apps und Websites aus, übernehmen den gesamten Betrieb und die Weiterentwicklung des Systems und greifen zahlreiche administrative Prozesse auf und vereinfachen diese. So ist die Zukunftsfähigkeit der teilnehmenden Einrichtungen gewährleistet und es wird wieder mehr Zeit für die Tätigkeiten, die wirklich zählen: Die Arbeit mit den Menschen.

Wie ist die Idee zu Tremaze entstanden ?

Während ihres Abiturs im Jahr 2015 arbeiteten die beiden Mitgründer Lennart und Sven an ihrem Gymnasium an einer Vertretungsplan-App. Über die übliche Mundpropaganda erreichte das Projekt die Aufmerksamkeit der Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Soest.

In Soest hatte der Kinder- und Jugendrat gerade beschlossen, dass das Angebot der kommunalen Kinder- und Jugendeinrichtungen um eine mobile App ergänzt werden sollte. So sollten die Besucher*innen der Einrichtungen und deren Eltern endlich zeitgemäß über die Angebote der Einrichtungen informiert werden und über allgemeine Themen auf dem Laufenden bleiben.

Wir haben uns damals gefragt, ob dieser Bedarf nicht auch in weiteren Kinder- und Jugendeinrichtungen bestehen würde und starteten einige Umfragen in weiteren Kommunen in NRW. Das Feedback war derart eindeutig, dass wir uns auf den Weg zur Entwicklung der skalierbaren Plattformlösung gemacht haben.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Tremaze erklären ?

(Fast) alle Menschen kommunizieren mittlerweile digital. Vor allem für soziale Einrichtungen ist es besonders wichtig, mit den eigenen Klient*innen in Kontakt zu bleiben. Damit das klappt, müssen natürlich auch die Einrichtungen digital kommunizieren und arbeiten. Leider kostet es sehr viel Geld, einzelne Einrichtungen mit den nötigen Systemen auszustatten und es dauert auch viel zu lange, als dass man es in jeder einzelnen Einrichtung von neuem machen könnte.

Mit Tremaze gelangen die Einrichtungen direkt zur eigenen Website und zur mobilen App, um mit ihren Klient*innen in Kontakt zu bleiben. Dabei profitieren sie davon, dass Tremaze darauf ausgelegt ist, mit möglichst vielen Einrichtungen zusammenzuarbeiten, sodass einzelne Einrichtungen möglichst wenig für das Angebot zahlen müssen.

Gleichzeitig nehmen wir den Mitarbeiter*innen der Einrichtungen viel Arbeit ab, indem wir z.B. die gesamte Verwaltung ihrer Besucher*innen und viele Fragen zum Thema Datenschutz mit übernehmen.

So stellen die Einrichtungen sich optimal für die Zukunft auf, bleiben mit ihren Besucher*innen in Kontakt und die Mitarbeiter*innen gewinnen viel Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: Die Arbeit mit den Menschen um sie herum.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Natürlich haben wir unsere Strategien im Laufe der Zeit immer mal wieder angepasst und an die Gegebenheiten des Marktes angepasst. Ein Beispiel dafür ist z.B. die Einführung der EU-DSGVO im Mai 2018. Hier konnten wir einen enormen Mehrwert von Tremaze erkannt, da wir von vornherein alles auf maximalen Datenschutz ausgerichtet haben.

Außerdem konnten wir unser Portfolio um weitere Softwares für noch mehr Anwendungsfälle ergänzen.

Grundsätzlich sind wir mit dem Konzept aber der ursprünglichen Linie treu geblieben und verfolgen die Strategie sehr konzentriert.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Tremaze ist ein Anbieter von Software as a Service (SaaS). Die angebotenen Softwares werden durch Tremaze entwickelt, betrieben und gewartet. Unsere Kund*innen sind Träger und Einrichtungen der sozialen Arbeit in Deutschland.

Finanziert wird das Modell durch monatliche Nutzungsgebühren der teilnehmenden Einrichtungen.

Ergänzt wird das Angebot durch Schulungs-, Beratungs- und Individualisierungstätigkeiten in Zusammenarbeit mit den Kund*innen.

Wie genau hat sich Tremaze seit der Gründung entwickelt ?

Zu Beginn wurde Tremaze von uns Gründern im Nebenerwerb betrieben, um zunächst die Software komplett entwickeln zu können und einen großen Teil unserer Zeit in unser Studium investieren zu können. Währenddessen haben wir immer wieder mit ersten Trägern der Sozialwirtschaft in Digitalisierungsprojekten kooperiert und so zahlreiche Erfahrungen sammeln können.

2017 haben wir uns mit Tremaze auf ein Stipendium des AndersGründer-Programms des Duisburger Social Impact Labs beworben und durften im Anschluss das mehrmonatige Programm durchlaufen. Dabei haben wir neben dem unternehmerischen Handwerkszeug auch die soziale Wirksamkeit des Unternehmens erarbeitet und die soziale Ausrichtung von Tremaze in der Mission verankert.

Ebenfalls zum Ende des Jahres 2017 haben wir die UG gegründet und erste offizielle Tremaze-Projekte gestartet und erste Träger der Sozialarbeit digitalisiert.

Seitdem wurden die Softwares regelmäßig weiter- bzw. manchmal sogar neuentwickelt, Vertriebsprozesse wurden aufgebaut, Kooperationen mit den Trägern wurden gestartet und „Kinderkrankheiten“ der Lösungen wurden eliminiert.

Pünktlich zum 01.12.2020 konnten wir zudem die offizielle „Tremaze-Cloud“ launchen, mit der nun noch mehr Einrichtungen zu noch günstigeren monatlichen Nutzungsgebühren Teil der Mission „Sozialarbeit. Digital. Jetzt.“ werden können. Direkt zum Start der Cloud sind bereits drei Kommunen aus NRW mit uns in die Cloud gegangen.

Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Derzeit beschäftigt Tremaze 6 Mitarbeiter*innen und weitere freie Mitarbeiter*innen. Geplant ist es, die 6-stelligen Umsätze im Jahresverlauf 2021 erneut zu verdoppeln, das Team weiter auszubauen und den Vertrieb deutlich anzuziehen.

Tremaze arbeitet Stand Jetzt mit über 20 Trägern der Sozialarbeit zusammen und erreicht bereits eine 5-stellige Zahl von Klient*innen und Besucher*innen der Einrichtungen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

So richtig schief gegangen ist in all der Zeit glücklicherweise nichts. Allerdings mussten wir immer wieder schmerzhaft lernen, wie wichtig es ist, die eigenen Strukturen mit dem wachsenden Kundenstamm skalieren zu lassen und so nicht ins Hintertreffen zu geraten. Mehr Kunden bedeuten mehr Support, mehr Wartung etc. Man sollte also niemals den Vertrieb ohne Rücksicht auf die eigenen Strukturen antreiben. Mehr Kunden und mehr Umsatz sind schön, bedeuten aber auch eine massive Gefahr, wenn nicht korrekt skaliert wird.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Besonders wichtig war es, von Anfang an den umfassenden Datenschutz ins Auge zu fassen. Mit Einführung der DSGVO im Jahr 2018 konnten wir – in unserer Nische – auf einen Schlag mit WhatsApp, Instagram und Facebook konkurrieren, da diese Lösungen zwar die Zielgruppen unserer Kunden erreichten, aber keinerlei Wert auf den ordnungsgemäßen Umgang mit den personenbezogenen Daten ihrer Kund*innen legten.

Außerdem binden wir uns stark an unsere Kunden. Unsere Philosophie ist es, die Träger und Einrichtungen nicht einfach schnell mit Software auszustatten und sie dann damit stehen zu lassen. Eine umfassende und nachhaltige Digitalisierung der sozialen Arbeit erreichen wir nur, indem wir der feste Ansprechpartner unserer Kund*innen sind und diese umfassend im Thema der digitalen Transformationsprozesse begleiten.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Wir sind von Tag 1 vollständig eigenfinanziert. Alle Kosten und Investitionen werden (bis jetzt) durch die generierten Umsätze bedient.

Da im Jahresverlauf 2021 allerdings Investitionen in unsere Infrastruktur und den Support unserer Kunden anstehen, machen wir uns gerade auf den Weg und starten offiziell die Investorensuche, um gemeinsam und nachhaltig zu wachsen. Dabei steht aber immer auch der soziale Mehrwert unserer Tätigkeiten im Vordergrund. Wachstum um jeden Preis wird es mit uns nicht geben.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Die gerade gestartete Tremaze-Cloud wird nach jetziger Planung stark wachsen. Daher muss dieses System ständig weiter optimiert und ausgebaut werden. Viel Zeit und Aufwand wird daher in die Weiterentwicklung der Cloud fließen.

Da wir auf der anderen Seite aber bereits eine frei skalierbare Lösung anbieten können, wir der Vertrieb zu sehr großen Teilen auf die Akquise von Cloud-Kunden ausgerichtet. Hierzu müssen sowohl das Entwickler*innen-, als auch das Support- und Vertriebsteam vergrößert werden.

Ein großer Faktor der Neukundenakquise stellt bei Tremaze die Präsenz auf Fachtagungen der Zielgruppe und die intensive Verbandsarbeit in Verbänden der Sozialwirtschaft dar. Auch hier werden wir mehr Zeit investieren, um dem umfassenden Ziel der Tremaze – nämlich die Digitalisierung der Sozialarbeit als Ganzes – näher zu kommen.

Vielen Dank für das Interview.

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